Mein Saisonhöhepunkt mit einem Jahr Verspätung, die Challenge Roth am 05.September 2021. Eine Langdistanz unter anderem Vorzeichen, bedingt durch die Corona Pandemie erst abgesagt 2020, dann früh verschoben 2021, mein geplantes Vorbereitungsrennen, der Triathlon Ingolstadt, eine Woche später, auch verschoben. Was soll noch passieren bei meinem Traum von Roth?

Der Morgen begann sehr früh, aufstehen um halb 4, fertig machen, Rennkleidung an, erstes Frühstück. Aber jetzt noch die Fahrt nach Roth, ca. ne Stunde mit dem Auto von daheim, sodaß wir kurz nach 5 in Roth ankamen. Es war früh, und der Parkplatz füllte sich langsam.

Der Tag beginnt ....

Man sieht auf dem Bild schon, das Wetter könnte nicht besser sein, jetzt zwar noch sehr kühl, aber der Wetterbericht versprach Spätsommer. Jetzt nur noch die Getränke und Verpflegung fürs Rad und die Wechselzone verpacken und ab in Wechselzone 1, zum Rad.

Dort war natürlich viel los, die Nervosität war allen anzusehen, und meine natürlich auch riesig. Es gab noch einiges vorzubereiten, zum Beispiel seine beiden Beutel für die Wechselzonen fertig machen und abgeben. Einer für das Rad und einer für das Laufen, der auf einen LKW verpackt in Wechselzone 2 gebracht wurde. Dazu Nummer auf den Arm und warm machen. Und es war sehr spannend bei dem Starterfeld. Von Anne Haug über Sebastian Kienle, Patrick Lange, Andi Dreitz waren viele Profis mit dabei von Weltklasseformat.

Ich denke man sieht neben meinem Optimismus und der Vorfreude auch meine Nervosität. Mein Ziel war natürlich für die AK-Europameisterschaft eine gute Zeit herauszuholen. Ich startete ja auch im Amateurbereich für das Team Deutschland. Der Start wurde in mehreren Etappen geplant, und so hatte ich Zeit den Profistart Punkt 7 Uhr zu verfolgen ehe es für mich in der Startergruppe 6 mit 150 Athleten um 7:25 Uhr ernst wurde. Keine 10 Schwimmtrainingseinheiten hatte ich in der Vorbereitung, und im Wettkampf auch nur einmal 1.500m in München und einmal 1.900m in Berlin absolviert im Jahr 2021. Das bedeutete einfach nur durchkommen. Die Strecke denkbar einfach, einmal den Kanal hoch, dann wenden, ein Stück mehr runter, nochmal wenden und zum Ausstieg in die Wechselzone. 3.800m nahezu strömungsfrei bei einer Wassertemperatur von 18,5° und natürlich mit Neopren. Frisch aber absolut ok, und am Anfang in die aufgehende Sonne. Ein Traum, der sich fast zum Alptraum entwickelte.

Die ersten 2.200m liefen eigentlich ganz gut und ruhig, die Atmosphäre konnte ich gut geniessen, durch das Starten in Gruppen von 150 Personen auch kein großer Kampf auf dem Wasser und somit war ein gleichmässiges Schwimmen kein Problem. Aber aus meinen Trainingseinheiten wusste ich, dass es ab 2.300m -2.600m zu Problemen mit Krämpfen in den Waden kommen kann. Und die kamen dann auch schon ab 2.200m schleichend, aber immer häufiger. Ich versuche einfach nur noch gleichmässig ohne viel Beinschlag voran zu kommen, keine falsche Bewegung zu machen. Die letzte Wendeboje, die letzen 500m, und das Tempo immer langsamer. Geschafft, mit letzter Kraft raus aus dem Wasser in die Wechselzone …

Nach offiziell 1:23:55h verließ ich den Main-Donaul Kanal und lief in die Wechselzone. Erstes Gefühl, das wird ein langer Tag und ein harter Kampf. Aber dennoch war ich glücklich, diesen ersten Schritt erfolgreich absolviert zu haben.

Man kann gut sehen, es läuft sehr, sehr langsam. Aber egal. Geschafft ist geschafft. Nun die kurze Strecke die Wechselzone hoch, hier auch erstmals Zuschauer zu sehen die anfeuerten. Jetzt nur noch den roten Beutel mit der 670 finden und ab ins Zelt.

Und hier muss ich gleich mein erstes Lob loswerden, sofort eine freundliche Helferin da, die meinen Neo einpackte und mich unterstütze. Das war ein super Support. Einfach toll Challenge Roth. Und so konnte ich inkl. einem großen Schluck meines Energiedrinks und einer Banane nach 4:57 min. die Wechselzone auf meinem Rad verlassen. Auf zum längsten Teilstück, leider ohne den berühmten Solarer Berg.

Die Radstrecke verläuft in diesem Jahr leider etwas abgewandelt um Stimmungsnester zu vermeiden, an denen zu viele Menschen zusammenkommen können. Und dadurch schrumpfte die Strecke auf 166km.

Gestartet bin ich auf alle Fälle erstmal mit leichten Problemen aufs Rad zu kommen. Dann waren die ersten 10-15km sehr sehr kalt durch den Fahrtwind, aber immerhin gab es an vielen Stellen doch Zuschauer die anfeuerten. Aber prinzipiell fühlte ich mich auf dem Rad gut, einziges Manko, meine Trinkflasche zwischen dem Lenker war leer, ein Leck im Tank. Dort war das Wasser drin, in den mitgeführten Flaschen am Rahmen und hinten am Sitz meine Kohlenhydratmischung. Es gab erstaunlich viele Verpflegungsstationen auf der Strecke, die ich aber alle ausgelassen habe in der ersten Runde. Ich hielt auch meinen Trinkplan fast genau ein, es sollten eine halbe Flasche je 15min. werden, hat sich aber auf 20min. ausgedehnt. Fühlte mich aber eigentlich fit.

In der 2. Runde machten sich langsam die Beine bemerkbar, erste Ermüdungserscheinungen kamen auf. Habe ich doch zu wenig getrunken? Dennoch lief es auch weiterhin in einer guten Pace voran. Aber kurz nach Thalmässing ein erster Boxenstop auf der Strecke für eine kurze Toilettenpause im Feld. Das kostete mich 1,5min. war aber auch eine gute Erholung für die Oberschenkel. Kurz dehnen und zurück aufs Rad. 60km sind noch zu gehen, die Oberschenkel werden müde. Aber jetzt heisst es durchbeissen. Auf dem Weg nach Gering verliere ich dann noch meine Gaskartusche, die hinter Sattel eingedreht war. Läuft ja hervorragend. Kurz vor Obermässing dann beinahe das Unglück. Auf der Abfahrt im Wald treffe ich den Bremspunkt zu spät, hier bin ich mit knapp 60km/h bergab unterwegs und eine Spitzkurve wartet unten. Die ist mit Heu geschützt, dass man nicht in die Leitplanken einschlägt. Und genau hier musste ich eine Notbremse einlegen, aber ich wurde nicht wirklich schnell langsamer. 10cm vor dem Heuschutz blieb ich stehen und konnte mich aus den Pedalen lösen, das war knapp. Den Rest der Strecke bin ich dann mit viel Vorsicht weitergefahren.

Dann endlich der Abzweig Richtung Wechselzone 2, die Radstrecke geht dem Ende zu. Nach 05:21:00h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 31.2km/h und einer Normalized Power von 217 Watt erreichte ich die Wechselzone. Die Watt im Griff, aber die Geschwindigkeit unter meiner Erwartung. Hier aber gleich der nächste tolle Challenge Roth Moment, das Rad wurde direkt nach dem absteigen durch Helfer entgegengenommen und ich konnte direkt ins Wechselzelt rennen. Wechselzeit hier nur 2.24 min. Ab in den letzten Abschnitt.

Die abschließende Disziplin, das Laufen. Das ist ja meine Lieblingsdisziplin mit dem größten Trainingsumfang. Auch wenn die erste Meter recht locker aussahen auf dem Videoausschnitt war es alles andere als locker. Die Oberschenkel fest und müde, aber noch 42,2km vor sich. Das wird ein Kampf, das war spätestens jetzt klar. Aber aus der Wechselzone bin ich erstmal ein paar Meter mit 4:10min/km losgelaufen. Das pendelte sich die ersten 15km auf 5:15min/km ein. Etwas langsamer als geplant, aber für die aktuelle Müdigkeit ok. Die Strecke war in diesem Abschnitt recht eintönig, immer am Damm entlang. Immerhin auch hier ein paar Zuschauer, die anfeuerten. Wie schon beim Radabschnitt Verpflegungsstationen in kleinen Abständen, ich nahm sicherheitshalber jede mit.

Bis Kilometer 32 hatte ich dann schon sehr zu kämpfen, die Geschwindigkeit nun im Schnitt nur noch bei 5:45min/km. und kurze Pausen bei jeder Verpflegungsstation. Es ging gefühlt nichts mehr, der Körper war leer. Auch konnte ich kein Obst mehr zu mir nehmen, kein Getränk, am Wasser nur noch nippen. Ich versuchte es mit einem ersten alkoholfreien Weizen als Alternative im Geschmack. Denn auch die Temperatur sorgte mittlerweile für zusätzliche Belastung bei rund 27 Grad im Schatten, und Schatten gab es nicht.

Aus Roth raus waren es jetzt nur noch 10km, aber in meinem Kopf war es eine Ewigkeit. Einmal nach Büchenbach und zurück ins Ziel, das ist alles was noch ansteht. Aber keiner hat mir vorher verraten, dass es da bergauf geht. 4km hoch, Runde durch den Ort, 4km zurück. Aber es ging nichts mehr. Ich ging 2,5km bergauf spazieren und Unterhalt mich gut mit einem weiteren Läufer, der am Ende war. Erst kurz vor Büchenbach bin ich wieder angetrabt und konstant mit knapp 6min/km wieder bergab zum Hotspot von Frank Horras zwei Kilometer vor dem Ziel. Und er hat wieder allen eingeheizt, Wahnsinn was er jedesmal leistet.

Dort gab es auch den letzten Motivationsschub, die Beine wurden etwas leichter. Im Kopf war das Ziel schon nahe. Jetzt nochmal anständig die letzten beiden Kilometer runterlaufen und dann erfolgreich ins Stadion in Roth einbiegen. Nun kamen die tollen Gefühle, der Stolz, zum zweiten Mal eine Langdistanz beenden. Wahnsinn. Endlich war es da, das tolle grüne Stadion mit dem extra langen Zieleinlauf. Geschafft, ich bin angekommen. Müde, kaputt und glücklich.

Endzeit im Ziel 11:23:04h, das war ein ähnliches Niveau wie meine Premiere über die Langdistanz 2019 in Barcelona. Aber mir ging es körperlich wesentlich besser. Ich war zufrieden angekommen zu sein, aber unzufrieden mit der zeitlichen Leistung und dem unterirdischem Marathon am Schluss.

Im Ziel erwartete mich dann auch direkt mein Arbeitskollege Mathias Gracklauer mit einer Flasche Wasser. Die war bitter nötig um wieder genug Flüssigkeit in mir zu haben. Das war meine 2. Langdistanz und meine Premiere in Roth mit 2 Jahren Anlauf. Ich steige nun die nächsten Wochen in die Analyse ein, vor allem der Einbruch beim Laufen beschäftigt mich. War es zu wenig Ernährung auf dem Rad? Oder doch zu wenig Grundlagenausdauer. Das soll für heute aber egal sein. Ich bin stolz es ein zweites mal geschafft zu haben.

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