Die Triathlonwelt steht aktuell still. Nahezu alle Rennen bis Ende Juni sind bereits abgesagt bzw. werden sicher noch abgesagt. Für mich bedeutet das kein Triathlon Ingolstadt, keine Challenge Heilbronn und vor allem mein High-Light: keine Challenge Roth 2020. Das war der Wettkampf, auf den mein Trainingsplan ausgerichtet war.

Aber kurzfristig gab es eine neue, andere Herausforderung. Die IRONMAN Organisation veröffentlichte den ersten virtuellen Ironman. Das erste Rennen fand letztes Wochenende bereits statt, und zwar von Freitag bis Sonntag. Es wurde eine klassische Mitteldistanz gewählt und das Schwimmen durch ein zusätzlichen Laufen ersetzt. Es galt also einen 5km Lauf, gefolgt von einer 90km Radeinheit und zum Abschluss dann wieder 21km Laufen. Aber die Reihenfolge muss nicht eingehalten werden und man kann es beliebig auf die Tage verteilen.

Gesagt, getan, da wollte ich dabei sein. Startschuss war Freitag ab 18 Uhr, gewertet wird jeweils der synchronisierte GARMIN oder STRAVA Status. Klingt einfach, und mein erstes Ergebnis war folgender Freitagslauf über 5km.

Soweit ok, hatte die ganze Woche Laufeinheiten in den Beinen. Von daher zufrieden. Aber war schon ein zäher Lauf. Egal wollte ja wissen wie es funktioniert, ohne Wettbewerbsfeeling, ohne Zuschauer, ohne klaren Rahmen. Die Radstrecke nahm ich mir für Samstag und den Halbmarathon für den Sonntag vor. Dann aber erste Ernüchterung, der Blick auf mein Dashboard des IRONMAN VIRTUAL CLUB. Der Lauf wurde nicht gewertet, da ich zu früh gestartet bin. 18 Uhr Start bedeutet 20 Uhr in Deutschland laut Reglement. Lauf wurde damit nicht gewertet. Hätte besser lesen sollen. Egal, dann mach ich die 5km halt nochmal.

Tag 2 plante ich mit der 90km Radeinheit auf der Rolle. Das ist schon eine Hausnummer für eine Rolleneinheit. Ich startete hochmotiviert und im Rahmen meines eigentlichen 3,5h Trainingsplans von Trainingpeaks. Ich nahm mir vor zwischen 2:00h – 2:10h dafür zu veranschlagen. Das Programm bestand aus Einfahren 10 Minuten, dann 4x im Wechsel 15min. 230 Watt und 12min. 175 Watt, danach ausrollen mit 175 Watt. Durch meine Zielzeit um die 2:00h wäre also der Hauptbelastungsteil voll mit drin. Deswegen hier mal die Werte im Detail.

Positiv formuliert, ich bin unter 2:00h geblieben, das heisst einen Durchschnitt von >45km/h über die Zeit. Das ganze bei einer sehr hohen Trittfrequenz beim Treten. Interessant für mich ist der Part ab 1:40h, dort werden die Wattwerte exakt auf Soll gestellt und die Trittfrequenz ist weg. Die Erklärung ist einfach, mein Garmin Edge 820 hat den Sensor gewechselt von vorher Vector 3 Pedalen zu Wahoo Kickr 4.0 Rollentrainerdaten. In der Regel nehm ich die Belastungswerte über die Pedale auf und die Rolle steuert die Belastung aus der Zwift Vorgabe. Zwift selbst hatte ja mein Trainingsprogramm aktiviert. Hier sieht man aber schnell, dass diese Werte nicht den realistischen Werten von einer Fahrt im Freien entsprechen, also mit Steigungen und mit Gegenwind. Dennoch für mich sensationelle Werte, mit im Durchschnitt 192 Watt.

Mit so einem Ergebnis ist man natürlich hochmotiviert, aber die Beine waren danach schon echt schwer. Diese Belastung von 2h hatten sie seit 2 Wochen nicht mehr. Aber es Stand ja noch die Wiederholung des 5km Laufes auf dem Programm. Die wollte ich nicht auf den Sonntag legen, wäre ja auch im Wettkampf nicht möglich. Daher mein Ziel, kurz regenerieren und 4h später die 5km wiederholen. Das sollte ausreichen um wieder eine ähnliche Zeit hinzubekommen. Aber da hatte ich mich getäuscht, denn mein leichtes Abendessen lag mir schwer im Magen wie ich um kurz vor Acht leidvoll feststellen durfte. Aber ich quälte mich durch, 5km auf nahezu identischer Route.

Ich quälte mich und kam nicht auf Speed. So war ich schlussendlich 1:45min schlechter oder 21s/1km als am Vortag. Das sind Welten, mein persönlicher Rekord ist aktuell 20:08min beim Silvesterlauf Neuburg 2019. Ob es nun an den Bratwürste kurz vorher oder an der Radeinheit lag kann ich nicht final bewerten. Die Magenschmerzen definitiv von den Würsten, die Endgeschwindigkeit am Radfahren zuvor. Immerhin wurden beide Einheiten in der Plattform als gültig bewertet. Eine Idee, wo man nach 2 von 3 Teilen im Zwischenstand steht gibt es hier allerdings nicht zu sehen.

Am Sonntag nun stand der abschließende Halbmarathon auf dem Programm, ich war mir aber bewusst, dass ich kein Vollgasrennen liefern werde, denn das hatte ich eine Woche zuvor bereits geliefert mit meiner ersten SUB90 über den Halbmarathon. Leider auch hier kein offizielles Rennen. Es war gut, das Maximilian Schwarzhuber ein „gemeinsames“ Rennen mit dem Titel „Halbmarathon am 5. April // Allein aber nicht einsam!“ ins Leben gerufen hat. Jeder Teilnehmer sollte um 10 Uhr starten und Live Streams während des Laufens einbauen. Ziel: alleine Laufen, aber nicht alleine sein. Die ideale Kombination mit meinem Abschlusslauf. Das Rennen war ungewöhnlich, machte aber viel Spaß. Am Vorabend suchte ich mir noch eine Runde durch Neuburg mit einer Distanz von 21.1km raus, ich wollte Wiederholungen vermeiden.

Geplante Route für den Halbmarathon

Und fast pünktlich um 10:03 Uhr startete ich direkt von der Haustür auf meine Runde zuerst Richtung Sportplatz des SC Feldkirchen und dann den Flughafen gegen den Uhrzeigersinn entlang. Meine geliebte Top-Gun Runde. Flach, Asphalt, ideale Bedingungen. Stimmt dieses Mal allerdings nicht, die gesamte Gerade Gegenwind. Auf dem Rückweg verliess ich meine Stammstrecke und lief nach Neuburg rein, durch die Stadt direkt an die Donau hinter dem TSV 1862 Neuburg. Von dort ging es weiter die Donau entlang Richtung Innenstadt und dann direkt hoch in die Altstadt. Am Ende der Altstadt wieder runter vorbei an Krankenhaus und Polizei Richtung Feldkirchen, allerdings fehlten noch ein paar Kilometer und deswegen ging es weiter Richtung Sehensand, in den Wald kurz rein und weiter nach Ballersdorf die Steigung hochballern. Zum Abschluss noch durch Ballersdorf zurück um den Kreis zu schließen, aber ca. 1,5km vor der Haustüre waren die 21.1km erreicht. Und wie geplant nicht zu schnell, in einer Gesamtzeit von 1:43:30h was einem Schnitt von 4:54/km entspricht. Ich war dennoch gut erschöpft, was sicher auch daran lag, dass ich keine Verpflegung und kein Getränk mitgeführt habe und ein paar mal stehengeblieben bin um live zu gehen auf Facebook. Aber auch die Beine waren nach dem Höllenritt am Vortrag noch spürbar ermüdet.

Reale Route Halbmarathon

Alles in allem war ich zufrieden mit dem Halbmarathon sowie meinem ersten virtuellen Ironman 70.3 über 3 Tage. Es hat während dieser Ausgangssperrenzeit dennoch Spaß gemacht, speziell der Lauf mit den Live Views in der Facebook Truppe. Die Straßen waren leer, das Wetter perfekt, was will man mehr.

Ich habe meinen ersten Finisher Badge von IRONMAN bekommen, kenne aber leider nicht meine Gesamtplatzierung. Ist hier aber auch nicht so schlimm, da der individuelle Einfluss auf die Messdaten nicht fair nachvollzogen werden kann. Ich hätte auf dem Laufband laufen können, draußen Rad fahren können und sogar meine 5km von Freitag mit falschem Datum hochladen können. Viele Faktoren die sicher einen fairen Vergleich nicht zulassen, für mich dennoch ein lustiger Wettbewerb, weil man mehr über seinen Leistungsstand erfährt.

Und mit Abschluss dieses ersten virtuellen Rennens hat IRONMAN schon gleich den zweiten Wettkampf freigegeben. Ich bin wieder dabei, hoffe der ein oder andere schließt sich mir an. Es gibt tolle Workouts zusätzlich auf der Plattform, schaut mal rein. Der IRONMAN VR2 startet am 10.04.2020 in der Variante 50.5, hier dargestellt als 3km Laufen, 40km Rad und 10km Laufen, also quasi Olympische Distanz.

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